yellow_strich Die Kinder


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Die School for Life betreut Kinder aus schwierigen Verhältnissen. Heute haben dort 140 Kinder eine neue Heimat gefunden.

Erst kamen vor allem AIDS-Waisen, dann kamen Tsunami-Waisen und -Überlebende sowie mehr und mehr Kinder der Akha, Lisu oder Lahu aus Myanmar (Burma), Kinder, deren Eltern auf der Flucht vor burmesischem Militär oder thailändischer Polizei umkamen oder untertauchten und ihre Kinder zurückließen. Die neuen Kinder kennen Soldaten und die Lehrer von grenznahen Schulen, die den Namen kaum verdienen. Was viele der Kinder werden wollen? Das, was sie gesehen haben. Wir sind aber sicher, dass die vielen kleinen 'Soldaten' mit der Zeit auch andere Perspektiven entwickeln werden als jene, mit Gewehr und gepanzerten Fahrzeugen durch die Gegend zu fahren.

Mit den Kindern ziehen Religionen und Religionsspuren in die School for Life ein: buddhistische und muslimische Thais, christliche Kinder der Hilltribes, der Ahnen- und Geisterglaube der Thais wie auch der anderen Volksgruppen. Religionssplitter überlagern sich, bilden Amalgame oder werden schemenhaft. Eine ökumenische Gemeinschaft entsteht, zu der die kleine Dorfkirche in Pongkum - die gar keine ist, sondern eine Wohnung – genau so gehören wie der Gebetsteppich, die Tempel ringsum oder die Mönche, die auf die Farm kommen und mit den Kindern meditieren.

Mit der Religionsvielfalt geht die Sprachenvielfalt einher. Lahu-Kinder sprechen Lahu, auch die Akha, Lisu und Karen haben ihre eigenen Sprachen. Einige sprechen burmesisch oder das Nord-Thai, das mit dem Süd-Thai ungefähr so viel zu tun hat wie Schweizerdeutsch mit dem Holländischen. Vor allem aber gibt es Mischungen jedweder Art: ein Kind zum Beispiel, das burmesische Brocken mit Lisu und Nord-Thai mischt und noch mit seiner Kindersprache dazu. Und so kommt es vor, dass ein älteres Akha-Kind mit thailändischen Schulerfahrungen für ein jüngeres Akha-Kind burmesischer Herkunft, das sein Sprachenmischmasch pflegt, übersetzt, und zwar so gut, dass die thailändischen Erwachsenen alles verstehen und die Botschaft auch noch Englisch sprechenden Volontären weiter übersetzen können.

Die School for Life konzentriert sich auf die Betreuung und Bildung von fünf Gruppen:
• Aids-Waisen, die keine Angehörigen mehr oder solche haben, die unterhalb der Armutsgrenze leben,
• Tsunami-Waisen und –Überlebende, die den Wunsch geäußert haben, nicht an die Küste zurückzukehren, sondern in der School for Life zu bleiben,
• Waisen, deren Eltern beispielsweise im 'Drogenkrieg' umkamen,
• Kinder ohne Zugang zu ihren Eltern, weil sie beispielsweise lebenslange Haftstrafen verbüßen oder untergetaucht sind,
• Kinder von Bergstämmen ohne Zugang zum formalen Bildungswesen.

JunuJaktea
Angesichts der Lebensgeschichten der Kinder ist es wesentlich, sie zu einer großen Familie zusammenwachsen zu lassen und zu stärken: Die Stichworte heißen "Vertrauen auf die eigene Kraft", "Selbstbewusstsein", "Gemeinsinn“ und "Zuversicht“. Externe Beobachter bestätigen, dass das Projekt auf diesem Weg schon ein gutes Stück vorangekommen ist. Die Möglichkeiten einer 'peer education' werden genutzt, beispielsweise durch die Wahl von älteren 'Schutzengeln' durch jüngere Kinder, durch ein Kinderparlament, durch die gemeinsame Gestaltung des Alltages, durch Exkursionen und die Beteiligung an kulturellen Veranstaltungen.

Die Kinder werden auf vielfältige Weise beteiligt: bei der Planung und Durchführung von Projekten, bei der Gestaltung der School for Life als 'Polis' mit Kinderparlament, Bürgermeistern, Hausgemeinschaften, Schutzengeln, der Aushandlung von Pflichten und Rechten. Eine andere Mitgestaltungsmöglichkeit besteht in der Gründung von Mini Enterprises.

Um die Startnachteile der Kinder auszugleichen, reicht es nicht, sie in einem Heim zu betreuen und in eine normale Schule zu schicken. Das Projekt, das den Kindern eine erstklassige Bildung vermitteln will, setzt deshalb bewusst auf eine Schulneugründung, durch die sich ein modernes 'learning und knowledge management' leichter entfalten kann als in den administrativen Fesseln der Regelschule. Das thailändische Ministry of Education ist an dieser Entwicklung interessiert und erhofft sich Impulse auch für andere Schulen des Landes.