Erkundungen in den Heimatdörfern
January 2010
Der erste Ferientag ist angebrochen, und es wird
immer gemütlicher. Zum Silvesterabend kommen alle
noch Hiergebliebenen in einer der Familien zusammen
und feiern ins neue Jahr - in unser neues Jahr, denn
ihr Neujahr wird erst im April beginnen.
Eine Gruppe von zehn Schülern und fünf Lehrern planen eine gemeinsame Exkursion in die Berge von Chiang Rai, der Heimat vieler Kinder unserer Schule.
Doch ein paar Kinder bleiben auf der Farm zurück. Jedes Kind hat seine eigene Geschichte und viele haben ganz persönliche Gründe, warum sie in den Ferien nicht nach Hause können oder wollen. Viele Kinder haben keine Familien mehr. Kinder aus solch schwierigen Verhältnissen werden von den Lehrern oder deren Familien in ihren Dörfern betreut. Wie und wo auch immer, alle freuen sich auf die Ferien.
Auf der Suche
„Udontama“ heißt „hallo“ auf Akha. Die Akha sind ein Bergvolk in Nordthailand. Hier oben fernab der großen Städte sind wir für zwei Tage Gäste bei der Familie von Suchada, einer Schülerin.
Die Gastfreundschaft ist unübersehbar. Man gibt
uns den gesamten Aufenthaltsraum, Decken und Kissen
und überlässt uns die Küche zum Kochen. Bei einem
gemeinsamen Rundgang durch das Dorf stellen wir fest,
dass es neben vielen Hühnern auch viele Kinder gibt.
Sie spielen mit Steinchen oder Baumsamen auf dem
Boden. Die Älteren sind mit Hand- oder Hausarbeiten
beschäftigt.
Wir sind auf der Suche nach Zeugnissen der Akha-Kultur für ein geplantes kleines Museum der verschiedenen Bergvölker, über ihre Traditionen und Riten. Das „Cultural Hilltribe Museum“ soll demnächst in der School for Life errichtet werden. Wir sind die Schatzsucher und befragen die Einheimischen. Sie stellen gerade neue Häuserwände aus Bambus her. Auch ihre Dächer, Körbe oder Tische und Stühle sind handgefertigt aus Stroh und Bambus. Ein ganz anderer Alltag hier bei den Akha-Familien. Kochen über offenem Feuer, sich mit kaltem Wasser übergießen, auf dem Boden essen und schlafen und in aller Frühe aufstehen, um mit auf die Teeplantage zu kommen.
In der Teeplantage
Mit dicken Pullis, Mittagspaketen und literweise Wasser wandern wir auf schmalen Wegen die Berghänge entlang zur Teeplantage von Suchadas Familie. Heute wird ein neues Feld angelegt, und die Familie zeigt uns wie das gemacht wird, damit wir alle mithelfen können.
Die älteren Teeblätter, die nicht mehr als Tee
verwendet werden können, werden mit dem Stiel in die
Erde gesteckt, damit neue Teebüsche wachsen können.
Die Sonne scheint kräftig auf den Hang herunter. Die Arbeit ist fast meditativ und wird gewissenhaft ausgeführt. Alle werden hungrig und die älteren Frauen beginnen zu kochen. Am frühen Nachmittag sind alle Pflanzen gegossen und können nun gedeihen.
Grenzgänger
Auf dem Weg ins nächste Dorf machen wir einen Abstecher an die burmesische Grenze: ein Tagesausflug nach Mae Sai, der thailändischen Grenzstadt mit einem großen Markt, umgeben von Bergen und Bergtempeln. In einen Kessel eingebettet brummen die Straßen vor kauflustigen Menschen, doch auf der anderen Seite der Brücke - in Burma - soll alles viel preiswerter sein. Nichts wie hinüber! Die Kinder sind aufgeregt. Sie halten ihr Taschengeld bereit. Ich darf leider nicht mit, wegen meines Visums. Aber Mae Sai bietet auch genug für einige Stunden: frische Erdbeeren, Nüsse, Tamarinde oder auch Klebreis in Bambus. Hungrig bleibt man hier nicht.
Das Dorf der Lahu
Vorbei an einem schneeweißen Tempel, der einem den Atem verschlägt, fahren wir weit hinein in das Gebiet der Wawee-Berge. An einem See, der von den Bergen umgeben ist, parken wir und legen ein Nachmittags-Picknick ein. Zum Sonnenuntergang erreichen wir das große Lahu-Dorf Huai Ma Sang
Dicht an dicht stehen hier die Bambus- und Holzhäuser. Ebenso freundlich wie im Dorf der Akha werden wir hier empfangen. Man erklärt uns die Herstellung von Reisbrot, das wir später beim Abendessen rösten. Wir versuchen auf der Landkarte das Dorf zu orten, aber es scheint wohl zu klein zu sein. Der Blick aus den Holzfenstern ohne Glasscheiben ist herrlich. Uns werden die Betten bereitet und Wasser wird heiß gemacht. Wir sitzen zusammen und unterhalten uns mit dem Onkel von Em, der uns Geschichten aus dem Dorf erzählt.
Tanz ohne Ende
Das Klima hier ist anders, eher trocken und warm. Die Kinder führen uns durch ihr Dorf und machen uns bekannt. Sie kennen jeden Winkel, jeden Baum, jede Frucht, die lecker schmeckt. Alles wirkt sehr traditionell. Unter den schönen alten Teakholz-Häusern hausen oft die Tiere.
Das Mittagessen kochen unsere Kinder heute selber. Die Lehrer sammeln derweilen Kulturgüter und recherchieren traditionell überlieferte Fertigkeiten. Wir bekommen alte Gegenstände für unser Museum geschenkt: Besen, Fischernetze, Körbe, Flaschenhalter, Hüte und einen aus einem harten Baumsamen handgeschnitzten Kreisel. Man führt uns zu dem dazugehörigen Spiel unten im Dorf.
Es scheint Männersache zu sein, denn Frauen
sieht man nur unter den Zuschauern. Die jungen und
alten Männer schleudern mit einem Stock samt Schnur
daran den Kreisel über den Platz und versuchen die
gegnerischen Kreisel aus dem Spiel zu kicken. Später
erleben wir eine Willkommenszeremonie am Dorfeingang.
Es werden heute Gäste aus anderen Dörfern empfangen:
Lisus, Akhas und Hmongs. Alle tanzen im Kreis um
einen Baum und die Männer musizieren im Takt. Auch
die Besucher mischen sich tanzend und musizierend
unter de Gastgeber. Das wilde polyphone musikalische
Geschehen heizt an, und es scheint als wollten die
Akhas, Lisus und Hmongs nicht mehr aufhören zu
tanzen.
Januar 2010
Maria Hildesheim
Studentin aus Potsdam
Eine Gruppe von zehn Schülern und fünf Lehrern planen eine gemeinsame Exkursion in die Berge von Chiang Rai, der Heimat vieler Kinder unserer Schule.
Doch ein paar Kinder bleiben auf der Farm zurück. Jedes Kind hat seine eigene Geschichte und viele haben ganz persönliche Gründe, warum sie in den Ferien nicht nach Hause können oder wollen. Viele Kinder haben keine Familien mehr. Kinder aus solch schwierigen Verhältnissen werden von den Lehrern oder deren Familien in ihren Dörfern betreut. Wie und wo auch immer, alle freuen sich auf die Ferien.
Auf der Suche
„Udontama“ heißt „hallo“ auf Akha. Die Akha sind ein Bergvolk in Nordthailand. Hier oben fernab der großen Städte sind wir für zwei Tage Gäste bei der Familie von Suchada, einer Schülerin.
Wir sind auf der Suche nach Zeugnissen der Akha-Kultur für ein geplantes kleines Museum der verschiedenen Bergvölker, über ihre Traditionen und Riten. Das „Cultural Hilltribe Museum“ soll demnächst in der School for Life errichtet werden. Wir sind die Schatzsucher und befragen die Einheimischen. Sie stellen gerade neue Häuserwände aus Bambus her. Auch ihre Dächer, Körbe oder Tische und Stühle sind handgefertigt aus Stroh und Bambus. Ein ganz anderer Alltag hier bei den Akha-Familien. Kochen über offenem Feuer, sich mit kaltem Wasser übergießen, auf dem Boden essen und schlafen und in aller Frühe aufstehen, um mit auf die Teeplantage zu kommen.
In der Teeplantage
Mit dicken Pullis, Mittagspaketen und literweise Wasser wandern wir auf schmalen Wegen die Berghänge entlang zur Teeplantage von Suchadas Familie. Heute wird ein neues Feld angelegt, und die Familie zeigt uns wie das gemacht wird, damit wir alle mithelfen können.
Die Sonne scheint kräftig auf den Hang herunter. Die Arbeit ist fast meditativ und wird gewissenhaft ausgeführt. Alle werden hungrig und die älteren Frauen beginnen zu kochen. Am frühen Nachmittag sind alle Pflanzen gegossen und können nun gedeihen.
Grenzgänger
Auf dem Weg ins nächste Dorf machen wir einen Abstecher an die burmesische Grenze: ein Tagesausflug nach Mae Sai, der thailändischen Grenzstadt mit einem großen Markt, umgeben von Bergen und Bergtempeln. In einen Kessel eingebettet brummen die Straßen vor kauflustigen Menschen, doch auf der anderen Seite der Brücke - in Burma - soll alles viel preiswerter sein. Nichts wie hinüber! Die Kinder sind aufgeregt. Sie halten ihr Taschengeld bereit. Ich darf leider nicht mit, wegen meines Visums. Aber Mae Sai bietet auch genug für einige Stunden: frische Erdbeeren, Nüsse, Tamarinde oder auch Klebreis in Bambus. Hungrig bleibt man hier nicht.
Das Dorf der Lahu
Vorbei an einem schneeweißen Tempel, der einem den Atem verschlägt, fahren wir weit hinein in das Gebiet der Wawee-Berge. An einem See, der von den Bergen umgeben ist, parken wir und legen ein Nachmittags-Picknick ein. Zum Sonnenuntergang erreichen wir das große Lahu-Dorf Huai Ma Sang
,
aus dem viele Kinder der School for Life
stammen. Sie sind bereits dort und helfen ihren
Familien bei der Arbeit oder spielen mit ihren
Freunden.
Dicht an dicht stehen hier die Bambus- und Holzhäuser. Ebenso freundlich wie im Dorf der Akha werden wir hier empfangen. Man erklärt uns die Herstellung von Reisbrot, das wir später beim Abendessen rösten. Wir versuchen auf der Landkarte das Dorf zu orten, aber es scheint wohl zu klein zu sein. Der Blick aus den Holzfenstern ohne Glasscheiben ist herrlich. Uns werden die Betten bereitet und Wasser wird heiß gemacht. Wir sitzen zusammen und unterhalten uns mit dem Onkel von Em, der uns Geschichten aus dem Dorf erzählt.
Tanz ohne Ende
Das Klima hier ist anders, eher trocken und warm. Die Kinder führen uns durch ihr Dorf und machen uns bekannt. Sie kennen jeden Winkel, jeden Baum, jede Frucht, die lecker schmeckt. Alles wirkt sehr traditionell. Unter den schönen alten Teakholz-Häusern hausen oft die Tiere.
.
Die Wasserversorgung ist simpel, die
Kochstellen verrußt, die Wohnräume sind klein für die
großen Familien. Doch der Fernseher darf nicht
fehlen. Er sorgt für Abwechslung und Entspannung.
Unten am Fluss, dessen Zugang leider voller Müll ist,
baden die Kinder in der tiefsten Stelle und wir
gesellen uns da
.
Das Mittagessen kochen unsere Kinder heute selber. Die Lehrer sammeln derweilen Kulturgüter und recherchieren traditionell überlieferte Fertigkeiten. Wir bekommen alte Gegenstände für unser Museum geschenkt: Besen, Fischernetze, Körbe, Flaschenhalter, Hüte und einen aus einem harten Baumsamen handgeschnitzten Kreisel. Man führt uns zu dem dazugehörigen Spiel unten im Dorf.
Januar 2010
Maria Hildesheim
Studentin aus Potsdam


